Anspruch

Kritik am bestehenden Bildungssystem
Die OpenUni ist ein Produkt der Kritik am derzeitigen Bildungssystem: Hohe Stundenzahlen, ständige Prüfungen, weitgehend vorgegebene Bildungsinhalte sowie massive Disziplinierung durch Studiengebühren, Bafög-Amt, Konkurrenzdruck und geringe Durchlassquoten zu den Masterstudiengängen kennzeichnen das Studium zunehmend. Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge führen zu einer immer stärkeren Reglementierung und Disziplinierung. Studentische Positionen und Proteste wurden in den Reformen der letzten Jahre größtenteils ignoriert.

Alternativen aufzeigen
Gesellschaftliches Engagement von Studierenden, das sich nicht in Credits bemessen lässt, wird für viele immer schwieriger. Es gibt immer weniger Austauschmöglichkeiten und Freiräume, um einen klaren Gedanken zu fassen. Selbst die Unigebäude passen sich stilistisch den in ihnen praktizierten Lernformen an: Sie werden zusehends steriler.
Dieser Situation wollen wir eine Alternative entgegen stellen. Mit der OpenUni geht es uns darum, aufzuzeigen, dass wir auch ohne Leistungsdruck, Creditsystem und Prüfungsangst gemeinsam lernen, denken, diskutieren, arbeiten und auch Spaß haben können. Die OpenUni bietet eine Gelegenheit, eigene Interessen zu verwirklichen und miteinander Themen zu erschließen, die zwischen Unialltaganforderungen und Klausurvorbereitung leicht untergehen: Sie bietet Freiräume für gemeinsames Lernen und den Austausch kritischer Gedanken.
Jede*r hat Gedanken oder Ideen zu ihrem Lieblingsthema, die sie Interessierten zur Verfügung stellen kann. Jede*r hat die Möglichkeit etwas Neues zu lernen. Drei Tage lang können wir lernen und lehren, was wir wollen — und zwar umsonst und ohne Druck. Alle können die Themen, mit denen sie sich beschäftigen, oder die Fähigkeiten, die sie haben, an andere weiter geben. Knöpfe annähen, Schachspielen, komplexe Theorien Nachvollziehen, Jonglieren … In der OpenUni lässt sich praktisch schon jetzt für drei Tage leben, was verregelte und unflexible Studiengänge ansonsten schwierig machen.

Über die OpenUni hinaus…
Bei der OpenUni soll es nicht nur darum gehen, sich für drei Tage eine angenehme Blase zu schaffen — um dann wieder vom Uni-Alltag aufgesogen zu werden. Von der OpenUni können Impulse und Initiativen für emanzipatorische Veränderungen im Bildungssystem ausgehen: Sie kann als Raum dienen, sich einmal Gedanken um unsere Lage als Einzelne in der Institution Uni, unsere Rolle als Studierende oder unsere Verhältnisse untereinander und zu anderen zu machen: Der Raum kann auch dazu genutzt werden, um aktuelle bildungspolitische Entwicklungen zu analysieren und Strategien zu entwickeln, unseren eigenen Vorstellungen von einem guten Leben und selbstbestimmten Lernen wieder mehr Nachdruck zu verleihen. Es geht darum, Freiräume über die OpenUni hinaus wieder zu erkämpfen.
Was muss passieren, damit studentischer Protest nicht zur bloßen Routine verkommt, die die Politik tolerieren kann, ohne dass sich tatsächlich etwas in unserem Sinne verändert? Was und warum verändert sich die Vorstellung, welche Rolle Bildung einnimmt, in den letzten Jahrzehnten so vehement? Wie können wir vor Ort dringend nötige Freiräume in unserem Alltag schaffen? Wie müssen wir uns organisieren? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen? Wo ansetzen? Was haben bildungspolitische Entwicklungen mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun? Was bedeutet es an einer noch weitestgehend staatlich finanzierten Uni zu studieren, in Zeiten, in denen es im Gebälk des Kapitalismus knirscht und die Staaten unter dem Eindruck steigender Schuldenberge mehr mit dem Rotstift drohen, als je zuvor? Welche Rolle nehmen wir als Studierende gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen ein, die etwa von Sozialkürzungen ebenso betroffen sind, wie wir von denen an der Bildung? Wie stehen wir zu den momentanen Arbeitsbedingungen derer, die an der Uni ihren Unterhalt bestreiten?
All dies sind nur einige Beispiele für Fragen, auf die noch langen nicht die letzten Antworten gefunden sind. Die OpenUni kann jedoch ein Ausgangspunkt sein, um weit darüber hinaus Veränderungen angehen und tatsächlich durchsetzen zu können.

OpenUni — open 4 all!
Dabei können und sollten wir unseren Blick selbstverständlich auch über die Grenzen der Hochschule hinaus richten: Die Universität bewegt sich ebenso wenig im luftleeren Raum ohne Einfluss dessen, was im Rest der Gesellschaft passiert, wie wenig wir alleine dastehen, wenn wir für unsere Ziele Bündnispartner*innen suchen.
OpenUni heißt bei weitem nicht, sich bloß unter Studierenden zusammen zu tun und Bildungspolitik zu diskutieren. Allen Menschen steht freie und selbstbestimmte Bildung zu — Räume für kritischen Austausch sollte es für alle gleichermaßen geben. Von daher sind alle eingeladen — ob Studierende oder nicht — die OpenUni zu nutzen: Alle die Interesse haben können ihre Themen einbringen, an Veranstaltungen teilzunehmen oder einfach mit anderen zusammen kommen. Und auch das Angebot soll über die Universität als Mikrokosmos hinausgehen: Außerhalb der Universität gibt es Bereiche, in denen Engagement viel unmittelbarer und dringender benötigt wird. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Diskriminierung allgemein: Die OpenUni soll auch Raum bieten für Zusammenschlüsse und Einzelpersonen, die ein Problem aufzeigen oder ihr Engagement vorstellen wollen.

Spiel und Spaß, soziales Zusammensein
Die OpenUni soll dabei kein anonymes Beisammensein sein, sondern ein Miteinander statt Konkurrenz. Einen kritischen Gedanken fassen lässt sich bekanntlich am besten, wenn Stress ad acta gelegt werden kann und man sich in seiner Umgebung und mit seinen Mitmenschen wohl fühlt. Deswegen wird ein Schwerpunkt auch das soziale Programm sein. Etwas zu Essen und Trinken wird  angeboten und es gibt Möglichkeiten mitzumachen. Es wird genügend Raum geben für Filmabende, Spiele und auch um einmal zur Ruhe zu kommen.

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